Der Eizellgänger

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Die Reproduktionsmedizin sorgt dafür, dass Männer überflüssig werden? Es geht auch umgekehrt: Ian Mucklejohn ist ohne die Störfaktoren Sex und Mutter zu drei Söhnen gekommen.

Von Franziska K. Müller

«Wenn ich bei der Wahl der Mutter Kompromisse mache und wir uns später scheiden lassen, bekommt sie die Kinder, und Unterhalt muss ich auch zahlen», sagt Ian Mucklejohn über seine einstigen Bedenken, eine Frau in die Familienplanung einzubinden. Sein Wunsch nach Nachwuchs wurde immer dringender, eine nur annähernd genehme Braut ist bis heute nicht in Sicht. Trotzdem sind seine Söhne Piers, Lars und Ian fünf Jahre alt, und ihr Vater schrieb Geschichte. Der 58-Jährige ist der erste Single-Mann Grossbritanniens, der den Störfaktor «Mutter» von Anfang an konsequent eliminierte. Die moderne Reproduktionsmedizin sorgt dafür, dass Männer überflüssig werden? «Es braucht auch keine Sexualpartnerin, um ein Kind zu machen, das übrigens bestens ohne Mutter zurechtkommt», sagt Mucklejohn, der mit der Gründung verschiedener Privatschulen zu Reichtum gelangte. In England hätte er seine Behauptung nicht unter Beweis stellen können, denn dort sind Eizellspenden verboten. Mit Hilfe des Internets fand der Geschäftsmann eine amerikanische Spenderin, dann reiste er nach Kalifornien, um seine Spermien abzugeben.

Eine Leihmutter trug die künstlich befruchteten Eizellen aus und unterschrieb eine Verzichtserklärung, bevor ihr der Lohn für den Job ausgehändigt wurde. Die Drillinge kamen in einem amerikanischen Spital verfrüht und per Kaiserschnitt zur Welt. Daddy setzte sich mit den gesunden Säuglingen ins nächste Flugzeug und brachte sie in seine Villa, die er in der Zwischenzeit zum Kinderparadies umgebaut hatte. «Die Totalkosten der Aktion beliefen sich auf 50 000 Pfund (120 000 Franken)», schreibt Mucklejohn in seinem soeben erschienenen Buch «And Then There Where Three» (Und dann waren es drei).

«Das Interesse an seiner Geschichte ist in Grossbritannien, aber auch in katholischen Ländern wie Spanien und Italien riesig», sagt seine Assistentin gegenüber der Weltwoche. Bereits bemühten sich auch Schweizer Verlagshäuser um die Buchrechte für den deutschsprachigen Raum.

Wie es nach der abenteuerlichen Entstehung seiner Nachkommen weiterging, liess Mucklejohn auch ein paar Millionen Fernsehzuschauer wissen. Seit BBC 1 vor einer Woche eine einstündige Dokumentation zur Konstellation – die Eizellspenderin, die Leihmutter, der Vater und seine drei Söhne – ausstrahlte, treffen bei der vierköpfigen Familie Wagenladungen von Spielzeug ein und viele ermunternde Briefe. Vor allem seine Geschlechtsgenossen sehen den Pionier als neuen Helden der Männerbewegung. «Go Ian! Go Ian!», hagelt es auch in den entsprechenden Internetforen Zuspruch. «Du bist der erste und beste Beweis dafür, dass ein Mann fähig ist, Kinder völlig allein aufzuziehen und zu ernähren», schreibt Warren aus London. «Ich empfinde Verehrung für Ian», so Rob. «Gut gemacht. Ein grossartiges Elternmodell», findet Jonathan Hare. «Ich bin geschieden und zahle mich dumm und dämlich für meine Familie: Die 50 000 Pfund sind ein absoluter Schnäppchenpreis für die Kinder», versichert Elusive Wapiti.

Auch ein paar Frauen meldeten sich zu Wort. Grundtenor: «egoistischer Spinner. Kinder brauchen ihre Mütter dringend». «Die Mamas einmal zu Gesicht bekommen, warum nicht?», sagte sich Mucklejohn und reiste im Beisein der BBC-Kameras nach Kalifornien, um seinen Söhnen Melissa und Tina zu präsentieren. Die Eizellspenderin nahm die Begegnung kühl auf. «Ich finde die Kinder sympathisch, mehr nicht.» Die Leihmutter weinte ein bisschen. Lars, Piers und Ian interessierten sich ebenso wenig für die Frauen wie ihr Vater. Alle vier wollten so schnell wie möglich ins Freie zum Fussballspielen. Mucklejohn: «Die Jungs fragten seither kein einziges Mal nach einer der beiden Mütter.»